Fibuladefekt

Therapie

Die Behandlung variiert je nach Schweregrad der Erkrankung. Der erste Schritt besteht in der Verringerung der Fußfehlstellung. Dies wird im Säuglingsalter durch eine Gips(schienen-)behandlung erreicht. Später kann der Gips durch Orthesen ersetzt werden. Je nach Stabilität des Kniegelenkes wird es sich um eine Unterschenkel- oder Oberschenkel-Orthese handeln.

Der kleine Patient sollte im Alter von ca. 12 Monaten auf jeden Fall soweit versorgt sein (Schuherhöhung oder Orthese), dass er altersentsprechend mit dem freien Laufen beginnen kann.

Wenn erwartet wird, dass die Beinlängendifferenz bis zur Pubertät immens sein würde, kommt eine Beinverlängerung mittels Fixateur externe in Frage. Die Entscheidung für eine solche Operation sollte so früh wie möglich getroffen werden, da dies sowohl für das Kind als auch für die Eltern psychologisch von Vorteil ist. Die Behandlung mit Ringfixateur erlaubt gleichzeitig die Korrektur der komplexen Bein- und Fußdeformitäten, die mit dem Fibuladefekt einhergehen. Abhängig vom Schweregrad der Erkrankung muss diese Operation zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. Wenn der Beinlängenunterschied und die Achsdeformität nicht besonders ausgeprägt sind, kann die Möglichkeit einer Epiphyseodese (operative Blockierung der Wachstumsfuge) zur zeitweiligen Wachstumslenkung in Betracht gezogen werden.

Ungefähr im Alter von 6 Jahren muss man sich mit der Problematik der Knieinstabilität auseinandersetzen, um ein frühes Auftreten von degenerativen Gelenkschäden bei diesen Kindern zu vermeiden.

Obwohl die Behandlung mit einem Fixateur externe immer sowohl für die Kinder als auch für die Eltern eine starke psychologische Belastung bedeutet, sollte man bedenken, dass diese Behandlungsmethode nur eine vorübergehende Einschränkung bedeutet. Eine Amputation dagegen bedeutet einen endgültigen Zustand.

Beispiel eines Therapieschemas

0 - 10 Monate Beratung, Schälchen, ggf. Röntgenaufnahme, Fibulastrangdurchtrennung

7 Mon. - 1 Jahr Orthesenversorgung,
MRT zur Darstellung der pathologischen Veränderungen (Fibulastrang, Knochenfehlbildung, Kniebinnenraum)

1 - 3 Jahre ggf. Fibulastrangresektion / Fußunterstellung / Korrektur der distalen Antefehlstellung mit Keilentfernung u. K-Draht-Fixation und somit 1. Achsenkorrektur

3 - 5 Jahre 2. Achsenkorrektur und ggf. Verlängerung durch Fixateur externe, bei Notwendigkeit auch temporäre Epiphyseodese nach dem 5.Lj.

ab 7 Jahre ggf. vordere Kreuzbandplastik, bei Notwendigkeit auch temporäre Epiphyseodese

8 - 11 Jahre ggf. weitere Achsenkorrektur und Verlängerung, bei Notwendigkeit auch temporäre Epiphysiodese

12 - 15 Jahre ggf. Wachstumsstop Gegenseite

  Nach Wachstumsabschluss (> 14-16 Jahre): endgültige Achsenkorrektur und Verlängerung
   

Erfahrungsberichte